{Rezension} Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans von Mackenzi Lee

Mackenzi Lees Schreibstil ist voller Metaphern und Vergleiche, die bunte Bilder im Kopf entstehen lassen, während man dem Verlauf der Geschichte folgt. Sie schaffte es, mich an die Seiten zu fesseln, obwohl ich der Handlung wegen nicht hätte weiterlesen wollen. Der Schreibstil war es, der mich an das Buch gekettet hat und mich einfach nicht mehr losließ. Noch nie zuvor habe ich in einem Buch schöne Stellen markiert (abfotografiert – ja, direkt im Buch markiert bisher nicht) – was aus Jux begann, endete mit 12 quietschorangen Klebezetteln, die 14 Sätze aus diesem Buch hervorheben, die ich nicht einfach so lesen und dann überblättern konnte.

Das Buch blieb mir nicht der Geschichte, sondern des Schreibstiles wegen im Gedächtnis – antiquiert, bildhaft, atmosphärisch, umfangend.

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Aber worum geht’s eigentlich?

Gemeinsam mit seinem besten Freund Percy und seiner Schwester Felicity begibt sich Monty aka Henry Montague auf Cavaliersreise (=Bildungsreise) quer durch Europa. Diese Reise ist die letzte Chance, die sein Vater ihm einräumt, ihm zu beweisen, dass er es würdig ist, das Familienunternehmen weiterzuführen. Nach allerlei Fehltritten und Eskapaden in der Vergangenheit steht nun alles auf Messers Schneide.

Doch diese Cavaliersreise nimmt nach einem kleinen Diebstahl eine ungeahnte Wendung – verfolgt von einem mordlustigen Herzog, überfallen von Räubern, mittellos umherirrend …


Ich muss ehrlich gestehen – Monty war mir selten sympathisch. Er ist ein egoistischer, auf seinen eigenen Vorteil bedachter Kerl, der meist unbewusst durch unbedachte Äußerungen auf den Gefühlen seiner engsten Vertrauten herumtrampelt. Im Laufe der Geschichte verändert er sich – zumindest ein Stück weit – zum Positiven, so wirklich ans Herz gewachsen ist er mir trotz allem leider nicht. Ganz im Gegensatz zu seiner jüngeren Schwester Felicity, die im von den Männern dominierten 18. Jahrhundert trotzdem ihre Stimme und einen Weg findet, das zu tun, was sie wirklich will. Sie ist stark, nicht auf den Mund gefallen und vor allem sehr klug und belesen. Sie weiß sich gegen ihren Bruder durchzusetzen, weist ihn in die Schranken, wenn er zu weit geht. Von solch starken Frauen wie ihr lese ich persönlich sehr gerne!

Die Liebesgeschichte zwischen Monty und Percy, seinem langjährigen besten Freund und Vertrauten, war eine jener, die man nicht so schnell wieder vergisst. Zwei Jungen, eine verbotenen Liebe. Es fehlte oft einfach nur ein Blick, ein Wort, eine Tat und sie hätten ihr Glück gefunden…


Fazit:

Nach dem Lesen des Klappentextes und diverser Teaser hatte ich eine andere Geschichte erwartet – einen historischen Roadtrip ganz im Zeichen großer Gefühle. Dass neben dieser völlig anderen Geschichte auch noch eine Portion Phantastik Platz in diesem Buch gefunden hat, machte es mir nicht leicht, hineinzufinden. Großartige Nebencharaktere (Scipio, Felicity, Percy) und der bildhafte, mitreißende Schreibstil ließen mich über Monty hinwegsehen, einem Protagonisten, den ich nicht sonderlich gut leiden konnte.

Am Ende ging alles drunter und drüber und das große Etwas, worauf die Handlung letztendlich hinauslief, war recht enttäuschend und mir persönlich auch zu schnell abgehakt.

Ein Buch, das wohl – trotz des mehr als famosen Schreibstils! – nicht jedermanns Geschmack treffen wird – daher ordne ich es in die Kategorie GESCHMACKSSACHE ein und vergebe die dazugehörigen:

3 Bücherbärlis


Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag und besonders an Ramona für dieses Blogger-Willkommensgeschenk!


Lee, Mackenzie: Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans |496 Seiten | ISBN: 978-3-551-56038-4 | [D] 19,99€ / [A] 20,60€ | Hier klicken für mehr Infos!

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6 Kommentare zu „{Rezension} Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans von Mackenzi Lee

  1. Hey,
    wie du bereits gesagt hast: das Buch ist Geschmacksache! Aber es ist mein Geschmack 😊 Irgendwie stehe ich sehr auf abenteuerliche Bücher mit verbotenen Geheimnissen, die weit zurück in der Vergangenheit stecken. Ich muss auch sagen, dass mir Monty auch nicht so richtig sympathisch war, aber man hat deutlich gemerkt, dass sein Vater auch viel Schuld dafür trug. Außerdem hatte er meiner Meinung nach einen echt guten Humor, was seinen Charakter für mich schon etwas aufgewertet hat. Leider hat man nicht so viel von Percy und dessen Gefühlen mitbekommen, weil der Fokus schon sehr stark auf Monty gelegt war. aber andererseits wäre die Entwicklung ihrer Liebesgeschichte ja sonst null spannend gewesen, wenn man gewusst hätte, dass sich beide eh lieben.. Aber Felicity war echt toll,denn mit ihr konnte ich mich so am meisten identifizieren. Und ja, der Schreibstil war einfach bombastisch. Was soll man da noch sagen? :D
    Liebe Grüße, Julia

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    1. Hallo Julia!
      Geht mir genauso! Ich finde Geschichten voll Familiengeheimnissen, Intrigen und Lügennetzen sehr ansprechend – nur leider traf das hier einfach nicht meinen Geschmack.

      Leider kann für mich guter Humor keinen kompletten Charakter aufwerten… Hinsichtlich seines Vaters hast du aber natürlich recht – wäre dieser fürsorglich, hilfsbereit und nett zu Monty, wäre Monty ihm und anderen gegenüber auch ein anderer Mensch.

      Ich muss definitiv mal recherchieren, ob es noch weitere Bücher von Mackenzi Lee gibt! Hier kann mich dann hoffentlich das Gesamtpaket überzeugen! ;-)

      Liebe Grüße,
      Lea-Sophie

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      1. Ja wie gesagt: Geschmackssache !
        Nein, sein Humor hat für mich auch definitiv nicht seinen ganzen Charakter aufgetreten, aber schon ein gutes Stück ;)
        Oh ich aber auch, ich werde bei Rezensionen ab jetzt besonders aufmerken, wenn Mackenzi Lee der Autor ist!
        Liebe Grüße, Julia

        Gefällt 1 Person

      2. Google hat mir gerade gesagt, dass sie neben „Cavaliersreise“ bisher nur „This Monstrous Thing“ geschrieben hat, was aber – soweit ich das richtig gesehen – habe noch nicht übersetzt wurde. Ist im Übrigen ein Frankenstein-Retelling mit einem ziiiiemlich coolen Cover!

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