»Nehmen Sie sich einen Keks…«

Ich bin aktuell dabei, mich, meine Lesevorlieben und das Bloggen neu zu entdecken. Wenn ich mir so alte Beiträge (und damit meine ich jener aus meiner Anfangszeit) von mir durchlese – komplett ohne Mehrwert für euch Leser, irgendwie total sinnlos, dann werde ich nachdenklich. Ich wollte eigentlich anders sein, witziger und lockerer schreiben, nicht ganz so ernst. Ich hatte das damals auch echt drauf, bevor ich den Blog gestartet hatte. Aber genau in der Zeit, als ich endlich auch Ideen und Mut für Beiträge zusammengeklaubt hatte, die nicht mehr nur gebloggt um des Bloggens Willen waren, habe ich mich persönlich auch weiterentwickelt. Meinen schlechten Humor, der nur mich selbst zum Lachen bringt, habe ich natürlich trotzdem beibehalten…

Mit – und ich spreche hier nur von mir selbst – diesem gekünstelt witzigen, jugendlich-spritzigen Schreibstil kann ich mich nicht mehr identifizieren. Ich wollte lange Zeit genau so schreiben, jetzt eben nicht mehr. Ich bin lieber auf der ein wenig sachlicheren und distanzierten Ebene aber dafür für mich persönlich auch ein Stück weit professioneller.

Das Schreiben von Rezensionen geht mir auch nach über einem Jahr nicht leicht von der Hand. Ich muss für mich selbst noch lernen, nicht immer meinen gleichen Wortschatz an Adjektiven und Formulierungen auszuschöpfen – die deutsche Sprache hat so viele Wörter, da kann es nicht sein, dass ich (gefühlt) immer die gleichen verwende. Zudem grenzt es manchmal auch einfach an ein Wunder, seine Gefühle und Gedanken zu einem Buch aufs Papier bringen zu können, ohne Aspekte zu vergessen oder als unwichtig abzutun. Oftmals bleibt das Gefühl, dass man dem Buch mit seiner Rezension einfach nicht gerecht wird.

Das Bloggen macht mir vielleicht auch in der Hinsicht nicht zu hundert Prozent Spaß, weil ich auch nach über einem Jahr empfinde, als wäre ich noch nicht in der Buchcommunity angekommen. Ich bin eine Randfigur – wirklich Anschluss gefunden habe ich aber noch nicht zu anderen Bloggern. Was mich nachdenklich stimmt – investiere ich zu wenig Zeit in meine Social Media Kanäle? Bin ich einfach jemand, mit dem man nicht so einfach Kontakt aufnehmen kann?

Was mir mitunter auch ein wenig den Spaß verdirbt am Bloggen, ist dieser unterschwellige Konkurrenzkampf. Natürlich schaut man auf die Zahlen anderer, wieviele Blogabonnenten sie haben, wieviele Likes deren Beiträge bekommen, wieviele Kommentare. Es hat seinen Grund, warum man bei mir nicht sieht, wieviele Büchermenschen meinem Blog folgen. Ich möchte mich nicht auf eine Zahl reduzieren lassen. Ja, manchmal macht mich diese Zahl unglücklich, denn im Vergleich zu anderen, die schon ein Jahr bloggen, ist mein Blog noch ganz mini. Ich investiere aber mindestens genauso viel Herzblut und Schweiß in meine Sache, wie jeder andere Blogger, dem das Bloggen am Herzen liegt. Und das tut mitunter ziemlich weh – denn wir wissen alle, dass Verlage auch auf die Reichweite schauen und nicht nur auf den Content, den man liefert…

Was mir als Bücherwurm eindeutig fehlt, sind diese Bücher, die einen komplett vom Hocker reißen. Vereinzelt gab es in den letzten Monaten, Jahren natürlich auch echt gute Bücher, aber ich warte immer noch auf eines der Sorte GRENZGENIALHYPERGALAKTISCHÜBETRIEBENGUT. Diese Art von Büchern lässt – gelinde gesagt – auf sich warten… Es ist verflixt lange her, dass mich ein Buch quasi von innen ausgehöhlt, komplett in Beschlag genommen, mein Herz zertrümmert und dann liebevoll wieder zusammengeflickt hat. Wo sind diese Bücher bloß? Sind meine Ansprüche als Leserin einfach zu groß geworden? Früher habe ich einfach nur gelesen – es war schön, es hat mir Spaß gemacht. Groß über das Gelesene nachgedacht habe ich nicht. Aber mit dem Bloggen und dem Lesen der Blogs anderer wird man auch auf Missstände in der Literatur hingewiesen, auf Problematik. Das und die Tatsache, dass man während dem Lesen irgendwie nie komplett abschalten kann sondern im Hinterkopf immer an die im Anschluss zu verfassende Rezension denkt – das mindert für mich persönlich ja doch irgendwie das Lesegefühl.


So – genug aus dem Nähkästchen geplaudert!

An die Blogger unter euch: Geht es jemandem ähnlich wie mir?

 

Meine Lieben, habt’s fein! Bis zum nächsten Mal – wir lesen uns!

Eure Lea-Sophie

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3 Kommentare zu „»Nehmen Sie sich einen Keks…«

  1. Hey,
    Also ich kann dich da vollkommen verstehen. Ich bin zwar schon ein alter Hase irgendwie im Bloggen, aber trotzdem oder vielleicht auch deswegen mache ich mir oft Gedanken um Rezensionen und die Art wie ich sie verfasse. Witzig das dein Beitrag eigentlich sehr gut zu meinem Tweet von heute früh passt.
    Ich denke einfach, was die Bücher angeht, dass wir als Blogger anspruchsvoller werden und vieles auch schon mal so ähnlich gelesen haben und uns deswegen manche Bücher schlicht nicht mehr so vom Hocker reißen können wie sie es früher vielleicht einmal getan hätten.
    Ich würde dir gerne zu mehr Aufmerksamkeit auf deinem Blog helfen. Da müssen wir uns einfach mal etwas einfallen lassen. (: ich würde mich freuen.

    Liebst, Lotta

    Gefällt mir

  2. Ach Lea-Sophie, ich verstehe dich so gut! Ich selber bin oft nach der Veröffentlichung einer Rezension richtig traurig, wenn es dann nur einer Handvoll Leuten gefällt. Einfach weil ich, wenn ich ein Buch besonders ins Herz geschlossen habe, es jedem unter die Nase halten und sagen will: oh mein Gott, du MUSST das lesen! Andererseits bin ich aber auch froh, dass es doch ein paar Buchmenschen gibt, denen mein Geschreibsel gefällt. Es ist manchmal ein Balance-Akt zwischen Dankbarkeit und angekratztem Ego, das muss ich zugeben 😀
    Und dass man während des Lesens die Rezension schon im Hinterkopf hat, kenne ich auch. Allerdings hat es mir mehr geholfen als geschadet, da ich dann die Möglichkeit habe zu überlegen und zu reflektieren, warum ich etwas gut fand oder nicht. Außerdem werde ich dadurch auch auf schöne Zitate aus dem Buch aufmerksam, die mir sonst eventuell in ihrer Tragweite entgangen wären.
    So. Jetzt wünsche ich dir, dass dir ganz bald das ultimative-superintergalaktischbeste Buch aller Zeiten über den Weg läuft! 🙂 Ich drücke alle Daumen und Zehen! 😀

    Liebste Grüße,
    Ida

    Gefällt 1 Person

  3. Ich bin ja auch noch nicht lange beim Bloggen dabei, aber ich hatte neulich ähnliche Gedanken. Als ich angefangen habe, da habe ich die Menschen um mich herum (also, die Buchblogs, die ich abboniert hatte) vom Stil und Content imitiert, „weil man Buchbloggen eben so macht“: Die haben schließlich 1000+ Follower, die müssen ja wissen, wie es geht, oder?!

    Aber es war nicht meins. Dort lesen, ja! Aber selber auf diese Art produzieren, nein! Deswegen habe ich meinen Blog an meine Ideen angepasst.

    Ich finde es toll, dass du deinen eigenen Weg und deinen eigenen Stil gehen willst. Und mach es bitte immer nur so, dass es dir Spaß macht. 🙂 Das lässt dich auf lange Sicht glücklicher bleiben.

    Und zu deiner Angst, dass du zu kritisch geworden bist beim Lesen: Nein. Es ist gut, wenn man hohe Standards setzt, ABER denk immer daran: du darfst auch (stilistisch) schlechte Bücher mögen, auch wenn dein Verstand dagegen spricht. 😉 Ich *vergöttere* die Chroniken von Araluen und ich könnte dir seitenlang aufzählen, wo man die Bücher verbessern könnte. Aber das macht mir nichts, weil ich sie trotzdem mag.
    Man muss auch trainieren, seinen inneren Kritiker auszustellen. Das macht das Lesen schöner 🙂

    LG
    Sina

    Gefällt 3 Personen

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